Elefanten am Gärtnerplatz

 

Die Geschichte vom weissen Elefanten

Die Geschichte des weissen Elefanten begann an jenem schwarzen Mittwoch des Jahres 1999, als die deutsche Regierung eine hirnverbrannte Idee in die Tat umsetzte - sie brach ein Tabu und zog wieder in den Krieg. Ich war am ausrasten, tigerte fassungslos in meiner kleinen Wohnung auf und ab. Was tun? Schreiend auf die Strasse laufen? Plakate für Demonstrationen malen? Da stoppte mein Blick auf der antiken Seidenmalerei, die ich vor Jahren von einer Indienreise mitgebracht hatte: darauf streckt ein kleiner grauer Elefant seinen Rüssel witternd hoch über den Kopf - man nennt ihn den Glückselefanten.

Genau! Das war die Antwort – was wir jetzt alle brauchen ist ein Haufen Glück, dachte ich mir - ich würde nicht aufhören Elefanten zu malen, bis dieses Desaster vorbei ist. Gesagt getan. Die anfangs kleinen grauen Elefanten verwandelten sich schliesslich, Bild für Bild, in grosse und dann, nach zwei Jahren, gelang er mir „der“ Wurf, in englisch nennt man das "piéce de rèsistance": ein weisser Elefant, der eine weisse Lotosblüte in seinem Rüssel trägt. Da war etwas ganz besonderes um dieses Bild, ich konnte kaum meine Augen von ihm wenden – solch eine unglaublich liebevolle Ausstrahlung hatte dieser Elefant, dass ich es kaum glauben konnte, ihn selbst gemalt zu haben.

Kurz darauf war ich in einer Bibliothek unterwegs, um etwas über die bayrischen Könige zu recherchieren und kam an einem Regal vorbei, in dem ein grosser Bildband über Elefanten nicht zu übersehen war. Natürlich nahm, vielmehr schleppte ich ihn mit, so schwer war er. Klar, es war ja schliesslich ein Buch über Elefanten!
Und in diesem Buch entdeckte ich dann mit grossem Erstaunen die Geschichte von Airavata, dem heiligen weissen Elefanten, der in der indischen Mythologie, als Hüter und Bewahrer des Universums, eine der höchsten Gottheiten ist. Airavata erschien der schwangeren Königin Maja in einem Traum und streichelte ihr unendlich sanft mit einer weissen Lotosblume, die er im Rüssel hielt, über den Bauch. Als sie erwachte, wusste sie, dass sie ein ganz besonderes Kind zur Welt bringen würde. Und so war es dann auch; ihr Sohn, Prinz Siddharta, wurde zum Buddha.

Die beiden jungen Galeristen von " art:ig " in München verliebten sich in dieses Bild. Doch ich versicherte ihnen, dass ich es niemals in meinem Leben verkaufen werde. Also kamen sie auf die wunderbare Idee, Airavata noch zwei verschieden Decken zu malen und fertigten dann grossformatige ( bis zu 1Meter 50) speziell lichtresistente Reproduktionen an, die auf Holz aufgezogen werden. Einige werden dann ausgeschnitten und so kann man sie als eine Art Objekt an die Wand hängen.

Wie Sie höchstwahrscheinlich bereits erraten haben, male ich noch immer Elefanten, allerdings jetzt nur einen einzigen im Jahr. Die befremdliche Redensart über den“ white elefant“ in den englischsprachigen Ländern macht mich traurig, weil dieses himmlische Tier dort mit solch groben, materialistischen Gedanken verknüpft wird. Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn ich mit den Bildern und dieser Geschichte dazu beitragen könnte, Airavatas Ruf wiederherzustellen.

Edda Sörensen Vernissage Juli 2009
Ein Film von Björn Sörensen

Die Elefanten sind erhältlich bei

Galerie art:ig
Corneliusstrasse 19
80469 München

www.artig-muenchen.de